Burg Vajdahunyad
- Museum
- Architektur- & Design-Ikone
- Preis: 0 Ft - 2 400 Ft
- Öffnungszeiten: Gelände 24 Std. geöffnet; Landwirtschaftsmuseum 10:00 - 17:00 Uhr (Mo geschlossen)
Geschichte
Die Burg Vajdahunyad begann ihr Leben als Kulisse. Für Ungarns Millenniumsausstellung 1896, die tausend Jahre seit der Landnahme der Magyaren im Karpatenbecken feierte, sollte Architekt Ignác Alpár einen Pavillon entwerfen, der die Geschichte der ungarischen Architektur in einem einzigen Rundgang erzählen konnte — also baute er ihn aus Pappe und Holz, zusammengesetzt aus Nachbildungen von rund zwanzig historischen Bauwerken aus dem ganzen alten Königreich, und rechnete damit, dass er nach dem Ende der Messe wieder abgerissen würde.
Die Besucher liebten ihn zu sehr, als dass das geschehen wäre. Die öffentliche Nachfrage hielt den fragilen Pavillon noch jahrelang nach Ende der Ausstellung aufrecht, bis die Stadt beschloss, ihn zwischen 1904 und 1908 richtig aus Ziegel und Stein neu zu errichten — diesmal für die Ewigkeit gedacht. Der Gebäudekomplex beherbergt seit langem das Ungarische Landwirtschaftsmuseum, eines der größten seiner Art in Europa.
Eine Burg aus zwanzig Gebäuden
Statt ein einzelnes Gebäude zu kopieren, kombinierte Alpár Fragmente mehrerer, so angeordnet, dass ein einziger Rundgang durch den Komplex fast wie ein Spaziergang durch die Zeitlinie der ungarischen Architektur wirkt. Eine romanische Kapelle im Innenhof reproduziert das aufwendig geschnitzte Portal der Abteikirche von Ják aus dem 13. Jahrhundert in Westungarn; von dort führt der Weg in einen wehrhaften gotischen Flügel nach dem Vorbild der Burg Hunyad in Siebenbürgen — jenes Gebäudes, das dem gesamten Komplex seinen Namen gibt —, bevor er sich zu Renaissance- und Barockabschnitten öffnet, die an Herrenhäuser und Paläste aus anderen Winkeln des historischen Königreichs erinnern.
Das Ergebnis ist eine Burg, die als einzelnes Gebäude nirgendwo je existiert hat, sich aber dennoch wie eine einzige, überzeugende, durchgängige Festung liest. Einheimische scherzen manchmal, es sei Budapests meistfotografiertes Gebäude, das es streng genommen gar nicht gibt.
Wusstest du schon?
Im Innenhof steht eine der eigenartigsten Statuen Budapests: eine vermummte, gesichtslose Bronzefigur, 1903 von Miklós Ligeti geschaffen, die Anonymus darstellt — jenen namenlosen königlichen Notar des 12. Jahrhunderts, der die älteste erhaltene Chronik der ungarischen Geschichte verfasste. Da seine wahre Identität nie überliefert wurde, gab ihm der Bildhauer statt eines Gesichts eine Kapuze. Studierende und Schriftsteller reiben noch heute vor Prüfungen oder neuen Projekten zum Glück über die Feder in seiner bronzenen Hand — eine Angewohnheit, die man am spiegelblanken Glanz der Feder gegenüber der dunkleren Patina der restlichen Statue erkennt.
Im Landwirtschaftsmuseum lohnt sich ein Blick auf das aufgestellte Skelett von Kincsem, einem ungarischen Rennpferd des 19. Jahrhunderts, das alle 54 Rennen gewann, die es je bestritt — gemessen daran bis heute eines der erfolgreichsten Rennpferde der Welt.
Gut zu wissen
Die Innenhöfe und Außenanlagen der Burg sind rund um die Uhr geöffnet und der Eintritt ist frei, ein Besuch lohnt sich also auch außerhalb der Museumsöffnungszeiten, besonders abends, wenn die Türme beleuchtet sind. Das Landwirtschaftsmuseum im Inneren hat kürzere Öffnungszeiten und ist montags geschlossen — prüfe das vorher, falls das dein Ziel ist.
Die Burg liegt im Stadtwäldchen, fünf Gehminuten vom Heldenplatz entfernt, sodass sich beide leicht kombinieren lassen. Im Winter friert der künstliche See vor der Burg zu und wird Teil einer der größten Freiluft-Eisbahnen Europas, mit den angestrahlten Türmen im Hintergrund; im Sommer wird derselbe See stattdessen mit Ruderbooten befahren.