Memento Park
- Museum
- Preis: 2 000 Ft - 3 500 Ft
- Öffnungszeiten: 10:00 - 18:00 Uhr täglich (saisonal, vor Besuch prüfen)
Geschichte
Als Ungarns kommunistische Regierung 1989/90 zusammenbrach, verschwanden dutzende Lenin-, Marx- und sowjetisch-ungarische Freundschaftsdenkmäler fast über Nacht von Budapests Plätzen — zu aufgeladen mit jüngster Geschichte, um sie stehen zu lassen, aber zu bedeutend, um sie einfach zu verschrotten. 1991 schrieb die Budapester Generalversammlung einen Wettbewerb aus, was mit ihnen geschehen solle, und Architekt Ákos Eleőd gewann mit einer Idee, die niemand erwartet hatte: nicht zerstören, sondern verbannen. Sein Entwurf versammelte die Statuen auf einem Stück Ackerland am südwestlichen Stadtrand, aufgereiht entlang von Kiespfaden hinter einer bewusst theatralischen Backsteinfassade, deren große mittlere Tore sich in Wirklichkeit gar nicht öffnen lassen — Besucher schlüpfen stattdessen durch eine seitliche Lücke hinein, ein erster Hinweis darauf, dass die heroischen Versprechen, die im Bronzeguss dahinter eingeschrieben sind, nie ganz der Wirklichkeit entsprachen.
Der Park öffnete am 29. Juni 1993, ein Datum, das exakt zwei Jahre nach dem Abzug des letzten sowjetischen Soldaten von ungarischem Boden gewählt wurde. Aus anfänglich wenigen Dutzend Statuen ist eine Sammlung von über vierzig geworden, und Eleőd bestand stets darauf, dass es hier gar nicht wirklich um den Kommunismus gehe: Der Park könne nur existieren, weil Ungarn heute eine Demokratie sei — frei genug, um ihren Bürgern zu erlauben, den Relikten der vorangegangenen Diktatur direkt ins Gesicht zu sehen, statt so zu tun, als hätte es sie nie gegeben.
Die Statuen
Das meiste, was hier steht, thronte einst über echten Plätzen Budapests. Es gibt mehrere überlebensgroße Lenin-Statuen, ein monumentales Doppelporträt von Marx und Engels sowie das weitläufige, fast chaotische Béla-Kun-Denkmal, das 1986 zum hundertsten Geburtstag des kurzzeitigen kommunistischen Führers von 1919 geschaffen wurde — eine vorwärtsdrängende Menge aus Soldaten und Arbeitern, die heute betrachtet eher wie eine Karikatur als eine Verherrlichung wirkt. Ganz in der Nähe steht das Denkmal der Räterepublik, dessen stürmender Matrose mit Fahne direkt einem revolutionären Plakat von 1919 nachempfunden ist.
Ein paar Statuen hier haben ihre andere Hälfte noch ganz real anderswo in der Stadt stehen. Die riesige Freiheitsstatue auf dem Gellértberg, von weiten Teilen Budapests aus sichtbar, war ursprünglich von bronzenen sowjetischen Soldaten flankiert, die an die Armee erinnerten, die 1945 die deutschen Truppen aus der Stadt vertrieb; die Soldatenfiguren wurden 1992 abgebaut und hierher gebracht, während die weibliche Figur selbst auf dem Berg blieb — ihre Widmung wurde still umformuliert, um allen zu gedenken, die für Ungarns Unabhängigkeit starben, nicht nur einer bestimmten Armee.
Wusstest du schon?
Das mit Abstand berühmteste Ausstellungsstück des Parks ist ein Paar Stiefel. 1951 errichtete Budapest zu Stalins 70. Geburtstag eine acht Meter hohe Bronzestatue; am 23. Oktober 1956, in den ersten Stunden des Aufstands gegen die sowjetische Herrschaft, legten rund 200.000 Menschen Stahlseile um ihren Hals und trennten die Fußgelenke mit Schneidbrennern durch. Die Statue stürzte innerhalb einer Stunde, übrig blieben nur die Stiefel auf dem Sockel — Demonstranten steckten eine ungarische Fahne hinein, und die Budapester nannten den Ort noch jahrelang „Stiefelplatz". Diese originalen Bronzestiefel sind erhalten geblieben und stehen heute hier, montiert auf einer 2006 errichteten künstlerischen Rekonstruktion des Sockels.
Andere Teile derselben Statue erlebten eine seltsamere Reise. Eine abgetrennte Bronzehand soll fast drei Jahrzehnte lang still im Garten eines Budapester Schauspielers gelegen haben, bevor sie schließlich dem Ungarischen Nationalmuseum übergeben wurde, wo sie noch heute ausgestellt ist — Bruchstücke ein und desselben Diktatorendenkmals verteilen sich damit auf ein Museum, die Erinnerung eines Privatgartens und diesen Park.
Gut zu wissen
Memento Park liegt etwa 10 Kilometer vom Budapester Stadtzentrum entfernt und ist nicht an das U-Bahn-Netz angeschlossen. Die meisten Besucher nehmen daher den eigens eingerichteten Shuttlebus, der vom Deák Ferenc tér abfährt und auf die Öffnungszeiten abgestimmt ist — prüfe vorab den aktuellen Fahrplan, da sich die Öffnungszeiten je nach Saison ändern. Kaufe die Tickets nach Möglichkeit online im Voraus und plane rund zwei Stunden für einen ausführlichen Rundgang ein.
Nahe dem Eingang steht ein originaler Trabant — das kastenförmige ostdeutsche Auto, Sinnbild des Ostblocks — bereit für Erinnerungsfotos, und ein kleines Kino in den Baracken des „Witness Square" zeigt eine kurze Dokumentation über die Methoden der ungarischen Geheimpolizei zu kommunistischer Zeit. Kombiniere den Besuch am selben Tag am besten mit etwas im Stadtzentrum, denn in der Umgebung gibt es sonst nicht viel.