Ungarisches Parlament
- Historische Stätte
- Architektur- & Design-Ikone
- Preis: 8 000 Ft - 13 000 Ft
- Öffnungszeiten: Führungen täglich 08:00 - 18:00 Uhr (englischsprachig mehrmals pro Stunde, Buchung empfohlen)
Geschichte
1885 schrieb Ungarn einen internationalen Wettbewerb für ein neues Parlamentsgebäude aus, das einer Nation würdig sein sollte, die ihr Millennium feierte — tausend Jahre seit der Landnahme der Magyaren im Karpatenbecken. Der Architekt Imre Steindl gewann, und noch im selben Jahr begannen die Bauarbeiten auf einem sumpfigen Abschnitt des Pester Donauufers. Es dauerte fast zwei Jahrzehnte, zeitweise arbeiteten fast tausend Menschen daran, und es wurden rund 40 Millionen Ziegel verbaut. Als das Gebäude 1904 eingeweiht wurde, war Steindl bereits vollständig erblindet und sah das fertige Werk nie.
Steindl baute die Kuppel bewusst genau 96 Meter hoch — eine symbolische Zahl, die an das Jahr 896 erinnert, als die Magyaren ankamen — und machte sie exakt so hoch wie die Stephansbasilika auf der anderen Seite der Stadt, damit weder weltliche noch geistliche Macht sichtbar über der anderen stünde. Aus dieser Geste stammt eine Regel, die bis heute gilt: Kein Gebäude in der Budapester Innenstadt darf höher sein als das Parlament und die Basilika.
Wusstest du schon?
Das Parlament ist nicht nur Ungarns größtes Gebäude — es zählt zu den größten Parlamentsgebäuden der Welt, mit 691 Räumen, 10 Innenhöfen und rund 20 Kilometern an Fluren und Treppen, alles hinter einer neugotischen Fassade. Diese schmücken Statuen ungarischer Könige, siebenbürgischer Fürsten und Heerführer, die von Nischen und Strebepfeilern aus auf die Donau blicken.
Im Inneren bedecken rund 40 Kilogramm Blattgold die zentrale Halle unter der Kuppel, und eine halbe Million Edel- und Halbedelsteine sind in die Verzierungen eingelassen. Seit dem Jahr 2000 wird die Stephanskrone — die Krönungskrone, mit der König Stephan I. im Jahr 1000 gekrönt wurde und die traditionell eher die Nation selbst als einen einzelnen Herrscher symbolisiert — unter ständiger bewaffneter Bewachung genau unter dieser Kuppel aufbewahrt.
Für seine Zeit war das Gebäude erstaunlich modern: Es besaß von Anfang an eine Zentralheizung und eine der frühesten Klimaanlagen Europas, Jahrzehnte bevor beides anderswo zum Standard wurde.
Gut zu wissen
Das Parlament ist ein aktives Regierungsgebäude, daher lässt sich das Innere nur im Rahmen einer geführten Tour besichtigen, und die Tickets sind in der Hochsaison Tage oder Wochen im Voraus ausverkauft — am besten online buchen, bevor man losreist, statt auf spontane Plätze zu hoffen. Die Tour führt durch die Goldene Treppe, den Kongresssaal und die zentrale Kuppelhalle, in der die Stephanskrone aufbewahrt wird.
Plane genug Zeit für die flughafenähnliche Sicherheitskontrolle vor deinem Tourtermin ein und bringe einen Lichtbildausweis mit — er wird an der Kasse oft verlangt. Das Gebäude liegt direkt am Kossuth-Lajos-Platz am Pester Ufer, bequem zu Fuß oder mit der Straßenbahn vom Stadtzentrum aus erreichbar, und lohnt sich besonders am späten Nachmittag, wenn das Licht auf die donauseitige Fassade fällt.