Große Markthalle
- Markthalle
- Öffnungszeiten: 06:00 - 17:00 Uhr Mo, 06:00 - 18:00 Uhr Di-Fr, 06:00 - 15:00 Uhr Sa, So geschlossen
Geschichte
1897 sah Károly Kamermayer, Budapests erster Bürgermeister, sein größtes und ehrgeizigstes Projekt Wirklichkeit werden: eine Welle von fünf neuen Markthallen, die den städtischen Lebensmittelhandel modernisieren sollten, die größte und prächtigste davon am Pester Donauufer. Der Architekt Samu Pecz, besser bekannt für die Kirchen, die er in ganz Ungarn entwarf, gewann den Auftrag, und 1894 begannen die Bauarbeiten. Sein Entwurf hüllte eine Stahlkonstruktion — gebaut mit derselben Technik wie die großen Bahnhofshallen jener Zeit — in eine backsteinerne, neugotische Fassade. Die Große Markthalle wurde am 15. Februar 1897 eröffnet, mit dem inzwischen pensionierten Kamermayer bei der Feier.
Das Gebäude überstand weit mehr als nur Menschenmengen: Es wurde während der Kämpfe des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt und verfiel jahrzehntelang unter kommunistischer Herrschaft, bis sein Zustand 1991 so bedenklich wurde, dass es wegen Einsturzgefahr geschlossen werden musste. Es folgte eine gründliche, jahrelange Restaurierung, bei der die originale Eisenkonstruktion ersetzt und die Zsolnay-Dachziegel Stück für Stück nachgebildet wurden; 1994 öffnete die Halle wieder für eine neue Generation von Kunden — eine Rettung, die später mit dem internationalen FIABCI-Preis für Denkmalpflege ausgezeichnet wurde.
Drei Stockwerke, ein Markt
Auf rund 10.000 Quadratmetern und drei Ebenen verteilt, belohnt der Markt einen langsamen Rundgang von oben nach unten. Im Erdgeschoss erledigen die Einheimischen noch immer den echten Einkauf: Schnüre aus getrockneter Paprika, Gläser mit Eingelegtem, frisches Gemüse, Salami und Gänsestopfleber füllen Stand um Stand, dazu Flaschen Tokajer Wein und andere klassische ungarische Souvenirs. Steigt man die Treppe hinauf, ändert sich die Stimmung: Die obere Galerie ist die bei Besuchern beliebteste Ebene, gesäumt von kleinen Imbissen mit Lángos und Gulaschsuppe neben Ständen mit Volkskunst und Kunsthandwerk.
Geht man stattdessen nach unten, lichten sich die Menschenmassen: Im Untergeschoss befinden sich die Fisch- und Fleischstände sowie Fässer mit eingelegtem Gemüse — eine alltägliche Ecke, die die meisten Touristen nie finden. Sie erinnert daran, dass die Große Markthalle vor allem ein funktionierender Markt für die Bewohner Budapests bleibt — das touristenfreundliche Obergeschoss ist nur eine Schicht davon.
Wusstest du schon?
Samu Pecz verbrachte einen Großteil seiner Laufbahn mit dem Entwurf von Kirchen, und man sieht es: Die Spitzbögen, die gerippten Eisenkonstruktionen und der hoch aufragende, kirchenschiffartige Mittelraum haben der Markthalle bei den Einheimischen den Spitznamen "Kathedrale des Handels" eingebracht. Die bunten, glasierten Dachziegel stammen aus der Zsolnay-Fabrik in Pécs — demselben Hersteller, dessen Pyrogranit-Ziegel auch das Dach der Matthiaskirche auf der anderen Flussseite decken, eine kleine gemeinsame Handschrift, die zwei der meistfotografierten Gebäude Budapests verbindet.
Bis 1991 war die Halle so stark verfallen, dass Ingenieure Teile davon als statisch gefährlich einstuften, und sie stand kurz davor, ganz verloren zu gehen, bevor die Restaurierung sie rettete. Blickt man heute an der Eisenkonstruktion empor, ist es kaum vorstellbar, dass das Gebäude jemals am Rande des Einsturzes stand — ein Beweis dafür, wie gründlich die Renovierung der 1990er Jahre es vom Tragwerk her neu aufbaute.
Gut zu wissen
Der Markt hält frühe, marktübliche Öffnungszeiten ein: An jedem Öffnungstag beginnt er um 6 Uhr und schließt montags um 17 Uhr, dienstags bis freitags um 18 Uhr und samstags um 15 Uhr — sonntags bleibt er komplett geschlossen, plant den Besuch also nicht für einen Sonntagsspaziergang ein. Werktagvormittage, bevor gegen Mitte des Vormittags die Reisegruppen und Kreuzfahrtgäste eintreffen, sind die beste Zeit, um die Stände wie ein Einheimischer zu durchstöbern.
Wenn nur Zeit für eine Ebene bleibt, nutze das Erdgeschoss zum Einkaufen von Lebensmitteln zum Mitnehmen und die obere Galerie zum Mittagessen — einen Teller Lángos oder eine Tasse Gulaschsuppe zwischen den Souvenirständen. Die Halle liegt am Fővám tér, am Pester Ende der Freiheitsbrücke, bequem zu Fuß vom Zentrum aus erreichbar oder mit einer kurzen Fahrt mit der Straßenbahnlinie 47 oder 49.